Dienstag, 9. Februar 2016

Ein bisschen was zum Nachdenken . . .


Auszug aus dem Buch

American Sniper 

- die Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle


Kapitel: Hass

Ich wusste nicht viel über den Islam. Ich bin als Christ aufgewachsen und wusste lediglich, dass zwischen beiden Religionen seit Jahrhunderten Glaubenskriege herrschten. Mir waren die Kreuzzüge bekannt und ich wusste, dass sich die Kämpfe und Feindseligkeiten schon ewig hinzogen. Aber ich wusste auch, dass sich das Christentum seit dem Mittelalter weiterentwickelt hatte. Wir töten keine Menschen, nur weil sie einer anderen Religion angehören.
Die Wiederständler, die wir im Irak bekämpften, nachdem Saddams Armee geflohen oder bezwungen war, waren Extremisten. Es mag seltsam klingen, aber sie hassten uns alleine deshalb, weil wir keine Moslems waren. Sie wollten uns töten, obwohl wir gerade ihren Diktator in die Flucht getrieben hatten, nur weil wir einer anderen Religion angehörten als sie selbst.
Sollte Religion nicht eigentlich Toleranz vermitteln?
Es heißt oft, dass man sich von seinem Feind distanzieren muss, um ihn töten zu können. Wenn das stimmt, machten es mir die radikalen Aufständischen im Irak wirklich leicht. Meine Geschichte vom Anfang dieses Buches, diejenige von der Mutter, die ihr Kind zum Waisen machte, indem sie den Stift der Handgranate zog, war nur ein einziges grausames Beispiel von vielen. 
Für die Fanatiker, die wir bekämpften, galt nichts anderes als ihre verworrene Vorstellung von Religion. Dabei nahmen sie es selbst keineswegs sehr genau mit ihrer Religion - die meisten von ihnen beteten nicht einmal. Und nicht wenige von ihnen brauchten Drogen, um sich uns mit Kampf überhaupt stellen zu können. 
Viele der Aufständischen waren Feiglinge, die regelmäßig Drogen konsumierten, um sich Mut zu machen. Alleine, ohne deren Hilfe, waren sie zu nichts zu gebrauchen. Ich habe irgendwo eine Videoaufnahme, die einen Vater und seine Tochter zeigt, deren Haus gerade durchsucht wird. Sie befinden sich im Erdgeschoss, und aus irgendeinem Grund geht plötzlich im Stockwerk über ihnen eine Handgranate los. 
Auf dem Video sieht man, wie sich der Vater hinter dem Mädchen versteckt, aus Angst davor, getötet zu werden. Er ist bereit, seine Tochter zu opfern, um mit dem Leben davonzukommen.

* * * * * Zitat E N D E  * * * * *


Sollte man aus Fehlern nicht lernen, um diese nicht wiederholen zu müssen?

Ob das Buch lesenswert ist? Die Tatsache, dass ich es noch nicht ausgelesen habe und es schon viele Wochen einfach liegengelassen habe, beantwortet die Frage nur zur Hälfte. Ich bin absoluter Kriegsgegner, aber ich wollte das Leben eines SEAL mal aus seinem Blickwinkel sehen und ich glaube, das ist dem Autor recht gut gelungen. Man hört und liest in der Presse darüber, dass SEALs immer an ihre Grenzen gehen, dass sie extrem ausgebildet werden, dass es das härteste Training überhaupt ist. Mehrere Kapitel sind diesem Training gewidmet, dass nur die Stärksten und Diszipliniertesten überhaupt bestehen. Für mich war es irgendwie unnatürlich. Ich kann solche Menschen nicht verstehen, die sich bis an den Rand der Wahnsinnsgrenze begeben nur um fit zu sein, in einen sinnlosen Krieg zu ziehen.

Dann gibt es wiederum Kapitel oder Szenen, die mich regelrecht geschockt haben. Da ist eine Szene, ziemlich am Anfang des Buches, mit der Mutter, die ihr eigenes Kind zum Waisen macht, indem sie den Stift einer Granate zieht, der Vater der sich hinter seiner Tochter versteckt, weil er Angst hat getötet zu werden.

Es sind auch die Kapitel aus der Sicht seiner Ehefrau, die Veränderungen nach jedem Einsatz festhält und letztendlich feststellt, dass sie den Mann, den sie kennengelernt hat, nie wieder zurück bekommen wird, die mich bewegen.

Dann kamen ganze Kapitel, welche sich ausschließlich mit der Beschreibung von Waffen und wofür welche, wie eingesetzt werden, beschäftigten, was für mich total uninteressant war. Kampftechniken und Waffen interessieren mich nicht besonders. Sie töten Menschen oder verkrüppeln sie und da ich gegen jede Art von Gewalt bin, vor allem aber auch gegen den Krieg, möchte ich das gar nicht wissen. Ginge es nach mir, könnte man alle Waffen abschaffen.

Was mich an diesem Buch fasziniert hat ist die bildhafte Darstellung des Hin- und Hergerissenseins eines SEAL zwischen Patriotismus und Familie. Im Laufe der Kapitel wird einem immer deutlicher, dass die Einsätze in Kampfgebieten nicht nur gewaltige Spuren hinterlassen und die menschliche Psyche auf's Äußerste strapazieren, sondern den Menschen von Grund auf verändern.

Dass Chris Kyle der tödlichste aller Scharfschützen gewesen sein soll, hat mich nicht beeindruckt oder dazu veranlasst das Buch zu kaufen. Ich wollte den Krieg mal aus der Sicht eines Elite-Soldaten der US-Streitkräfte sehen. Man hört immer über diese Elite-Einheiten, aber was genau dahintersteckt sind meistens nur spärliche Informationen. Wisst ihr eigentlich wofür SEAL steht?

In gewisser Weise sind SEALs auch extrem. Sie führen jeden Befehl aus, ohne auch nur den Bruchteil einer Sekunde zu zögern. Das Nachdenken darüber kommt erst viel später. Meistens kommt es erst dann, wenn der Soldat zur Ruhe kommt und das ist daheim bei der Familie, wo gleichzeitig auch Gewissensbisse wach werden und das Hinterfragen erst beginnt. Aber jeder Einzelne von ihnen ist überzeugter Patriot und bereit sein Leben fürs Vaterland zu opfern.

Patriotismus ist aber nicht nur bei den SEALs, in der Navy oder Army ... sondern auch unter der Bevölkerung weit verbreitet und auch was ganz besonderes. Alle Menschen, die ich auf meinen USA-Reisen getroffen habe, waren überzeugte Patrioten, die Mitglieder ihrer Streitkräfte waren stets ihre Helden, ihre Vorbilder, ihre Idole.

Auf die Frage nach dem WARUM konnten sie mir nie eine auch nur annähernd zufriedestellende Antwort geben. Sie waren es einfach, weil sie echte Amerikaner sind. Am öftesten hörte ich einfach: "I'm proud to be an American!"

Diesen Patriotismus konnte ich besonders auf meiner USA-Reise - knapp einen Monat nach dem verhängnisvollen 11. September - spüren und sehen. Überall wehte die US-Flagge - von jedem Mast, vor jedem Haus, von jedem Ballon mit US-Mannschaft an Bord auf der Balloon Fiesta in Albuquerque. Und am Abend nach dem Feuerwerk als ich noch durch die Zelte schlenderte ertönte immer wieder ein Lied "God Bless the USA" und an jeder Ecke hörte man "I'm proud to be an American".

Das Buch habe ich bis heute nicht beendet und weiß auch nicht, ob ich wieder einsteige. Es ist eine brutale Realität die hier unverschönt dargestellt wird, den Elite-Soldaten aber nicht makellos darstellt, idealisiert. Er hat auch seine Fehler, seine Schwächen - die er ja als SEAL nie zeigen soll - und auch der tödlichste aller Scharfschützen ist im tiefsten Innern immer noch menschlich, egal wie sehr ihn dieser sinnlose Krieg psychisch verändert hat.

Warum ich gerade dieses Kapitel als Beispiel ausgesucht habe?

Es beschreibt ziemlich genau diesen sinnlosen religiös-fanatischen Kampf. Dieser sinnlose Krieg bringt keine Helden hervor, sondern nur Trauer und unendliches Leid. Es zeigt ziemlich genau wo Fanatismus und Extremismus hinführen. Oft sind sie mit der ganzen Situation psychisch aber auch physisch überfordert und zerbrechen letztendlich daran. Viele können gar nicht verstehen was im Kopf der fanatischen Extremisten tatsächlich vorgeht. Die andere Seite wiederum wird von ihren Anführern dermaßen geblendet, dass sie die US-Soldaten auch dann noch als Feind betrachten, nachdem sie von diesen vom Terrorregime befreit wurden. Da blicke einer noch durch. 

Jeder Gott einer jeden Religion auf dieser Erde lehrt doch den Menschen sein Gutes ans Tageslicht zu bringen, einander zu respektieren und friedlich neben- und miteinander zu leben.

Wieso wird dennoch im Namen Gottes getötet und das in unserer ach so zivilisierten Welt?

Sollte man aus Fehlern nicht lernen, um diese nicht wiederholen zu müssen?

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